szene salzwedel
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Design von Anne Schäfer, 2022-24.
​Unter der künstlerischen Leitung von Bettina Müller im Sommer 2025 umgesetzt von Maria Archangelskaja, Steffi Hartmann, Yulian Ide, Claudia Kleitzke, Gisa Märgner, Nina Rotermund, Anne Schäfer, Steffi Schumacher und weiteren.
Breite: 6,50m, Höhe: 2,50m

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1. Schriftzug und Ornamente aus der Titelsequenz des Spielfilms Anders als die Andern (1919) von dem Regisseur Richard Oswald. Zum Zeitpunkt der Berliner Premiere im Mai 1919 handelt sich um den weltweit ersten abendfüllenden Film, der offen das Thema Homosexualität behandelt. Die Filmhandlung übt Kritik am damals geltenden (→ 10.) Paragraph 175, der Homosexualität unter Strafe stellt: Eine Erpressung ruiniert die Ehe und Karriere des schwulen Violinisten Paul (gespielt von Conrad Veidt) und treibt ihn schließlich in den Suizid. (→ 7.) Anita Berber und (→ 9.) Magnus Hirschfeld spielen weitere Rollen.
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Schriftzug und Ornamentik des Stummfilms "Anders als die Andern"
2. Lotte Hahm (*1890 in Dresden †17. August 1967 in West-Berlin) ist eine lesbische Aktivistin, Gastronomin, Veranstalterin und Publizistin, die mit ihrer jüdischen Partnerin Käthe Fleischmann mehrere lesbische Klubs* im Berlin der Weimarer Republik, als Untergrundtreffpunkte während des NS-Staates, sowie die frühesten Lesbenlokale im geteilten West- und Ost-Berlin betreibt, darunter der Damenklub (→ 4.)Violetta, die Monokel-Diele und die Manuela-Bar.
​Lotte Hahm fällt Zeitgenoss:innen wegen ihrer charakteristischen Kurzhaarfrisur und eine eher männlich gelesenen Kleidung auf – etwa Smoking und Gamaschen. Historiker:innen bringen deshalb immer wieder Indizien für und gegen die Annahme an, dass Lotte Hahm ihre eigene Geschlechtsidentität vielleicht als genderfluide oder zumindest nicht binär weiblich begriffen hat.
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Aktivistin und Veranstalterin Lotte Hahm
* Klubs sind zu Beginn des 20. Jahrhunderts in erster Linie als sogenannte Freundschaftsklubs – also nach Vereinsrecht organisierte Gemeinschaften oder Treffpunkte – zu begreifen. Das ist keine Besonderheit der Hauptstadt, denn solche Vereine existieren auch in wesentlich kleineren Städten wie Anklam oder Eisenach. Sie dürften somit der Kultur-Nische gar nicht unähnlich gewesen sein. Aus den Vereinsräumen entwickeln sich dann – oft absichtlich – gastronomische Betriebe und bekannte (→ 12.) Szeneklubs wie das Eldorado oder der Toppkeller.
3. Ende des 19. Jahrhunderts ist die am Revers getragene grüne Nelke, die auf den Schriftsteller Oscar Wilde zurückgeht, ein Erkennungszeichen vor allem männlicher Homosexueller.
4. In den 1920er Jahren ist Lila als Mischfarbe von Blau und Rot gleichermaßen mit männlicher und weiblicher Homosexualität assoziiert. In der weltweit ersten Homosexuellenhymne, dem Lila Lied, das im September 1920 veröffentlicht wird, wird Homosexualität als „lila“ oder (→ 1.) „anders als die Andern“ umschrieben. Die Kennzeichnung schwuler KZ-Häftlinge mit dem (→ 10.) Rosa Winkel während des Nationalsozialismus und die (→ 13.) Veilchen in den Gedichten der lesbischen Dichterin Sappho manifestieren ab Mitte des 20. Jahrhunderts schließlich die Assoziation der Farbe Rosa mit schwulen Männern und der Farbe Lila mit lesbischen Frauen.
5. Titelbild der fünften und letzten Ausgabe der Zeitschrift Das 3. Geschlecht, der weltweit ersten Zeitschrift für „Transvestiten“* (sic!), wie verschiedene inter*-, trans*- und nicht binäre Geschlechtsidentitäten in der Zeit zusammenfassend umschrieben werden. Sie erscheint zwischen Mai 1930 und Mai 1932.
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Cover der Zeitschrift "Das 3. Geschlecht"
* Der Begriff entstammt der historischen Selbstbezeichnung der Zeitschrift. Der Sexualwissenschaftler (→ 9.) Magnus Hirschfeld prägt 1910 erstmals den Begriff „Transvestitismus“ (von lat. [trans] = jenseits, hinüber; [vestire] = kleiden) für verschiedene Geschlechtsidentitäten außerhalb oder zwischen des Binären. Heutzutage wird er allerdings als abwertend aufgefasst (u.a. weil er einen falschen Bedeutungsschwerpunkt setzt: Menschen, die Kleidung des anderen Geschlechts tragen, würde man heutzutage wertfreier als "Crossdresser" bezeichnen). Das Tragen der Kleidung des Geschlechts, mit dem sie sich identifizieren, ist für die allermeisten trans*-Personen zu Beginn des 20. Jahrhunderts die weitestreichende geschlechtsangleichende Maßnahme, birgt aber auch das höchste Risiko einer Strafverfolgung, etwa wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses. Ärzte stellen deshalb zwischen 1909 und 1936 sogenannte „Transvestitenscheine“ aus, die die Lebenswichtigkeit geschlechtsangleichender Maßnahmen für trans*-Personen attestieren und sie so vor polizeilicher Verfolgung schützen.
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Szene aus dem Film "Mädchen in Uniform"
6. Der Film Mädchen in Uniform (1931) mit Hertha Thiele und Dorothea Wieck in den Hauptrollen gilt als weltweit erster Film über lesbische Liebe. Die Handlung basiert auf den Erfahrungen der lesbischen Drehbuchautorin Christa Winsloe in einem Potsdamer Internat für Offizierstöchter. Die ausschließlich weibliche Besetzung und die Zusammenarbeit zweier Frauen in Regie und Drehbuch machen die Filmproduktion für ihre Zeit bemerkenswert. Nicht zuletzt wegen seines Remakes im Jahr 1958 mit Romy Schneider in der Hauptrolle, gilt die Liebesgeschichte zwischen Schülerin und Lehrerin inzwischen als Filmklassiker.
7. Anita Berber (*1899 in Leipzig; † 1928 in Berlin) ist eine bisexuelle Tänzerin und Schauspielerin (u.a. in → 1. Anders als die Andern), die zwischenzeitlich als Modeikone und Muse des Malers Otto Dix zum It-Girl des (→ 12.) Berliner Nachtlebens avanciert. Sie ist im Laufe der 1920er Jahre unter anderem mit der Gastwirtin Susi Wanowski und der Bankiersgattin Alice Sussin liiert und sorgt mit anzüglichen Tanzdarbietungen und Drogenexzessen fortwährend für Schlagzeilen. Schließlich stirbt sie jung an Tuberkulose.
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Tänzerin und Schauspielerin Anita Berber
8. Lili Elbe (*1882 in Vejle, Dänemark †1931 in Dresden) ist eine Malerin des Postimpressionismus, die sich im Institut für Sexualwissenschaft von (→ 9.) Magnus Hirschfeld als eine der ersten Transfrauen einer erfolgreichen geschlechtsangleichenden Operation unterzogen hat. Sie war mit der Malerin und Illustratorin Gerda Wegener liiert.
​Das von ihr verfasste Ein Mensch wechselt sein Geschlecht (1932) ist die erste namentlich bekannte Autobiografie einer Trans*-Person. Einem breiten Publikum ist Lili Elbe spätestens seit Erscheinen des Hollywood-Films als The Danish Girl (2015) ein Begriff.
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Malerin Lili Elbe und Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld
​9. Der Arzt und Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld (*1868 in Kolberg, Preußen; †1935 in Nizza, Frankreich), der um 1900 für einige Jahre in Magdeburg praktiziert, ist spätestens seit Gründung des Instituts für Sexualwissenschaft (1919) die zentrale Figur der Berliner LGBTQ-Szene der 1920er Jahre. Sein Verdienste zur Überwindung der binären Auffassung von Geschlecht, seine bahnbrechende Arbeit im Bereich (→ 8.) operativer Geschlechtsangleichungen und der rechtlichen Gleichstellung (→ 5.) von transgeschlechtlichen Personen machen ihn zum maßgeblichen Sexualforscher seiner Zeit und einem Vordenker der Queer Theory. "Tante Magnesia", wie er in der queeren Szene Berlins liebevoll genannt wird, lebt selbst mit zwei Männern in einer polyamorösen homosexuellen Beziehung. Um der (→ 10.) Verfolgung als Jude und schwuler Mann durch die Nazis zu entgehen, flüchtet er ins französische Exil.
10. Rund 10.000 Männer, die wegen ihrer Homosexualität in den Konzentrationslagern der Nazis inhaftiert waren, tragen den Rosa Winkel an ihrer Häftlingskleidung. Als letzter überlebender Träger des Rosa Winkel gilt Rudolf Brazda, der aus einem Dorf bei Zeitz stammt und 2011 im Elsass stirbt. Das nach oben gerichtete Dreieck avanciert nach dem Zweiten Weltkrieg zum internationalen Symbol für die Schwulenbewegung, bevor sich ab den 1970er Jahren mehr und mehr die Regenbogenflagge durchsetzt.
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KZ-Überlebender Rudolf Brazda
11. Eduard Stapel (*1953 in Bismark; †2017 in Bismark) ist Theologe, Journalist, DDR-Bürgerrechtler und bis zu seinem Tod Ortsbürgermeister der altmärkischen Gemeinde Bismark. In den Großstädten der DDR baut er ab 1982 zahlreiche Arbeitskreise Homosexualität im Umfeld der evangelischen Kirche auf. Er ist der zentrale Ideengeber des Schwulenverbands Deutschland, den er im Februar 1990 mitgründet und der nach seiner Umbenennung in Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) heute als Dachverband der queeren Interessensvertretungen auftritt.
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DDR-Bürgerrechtler Eduard Stapel
12. Während der Weimarer Republik finden homo-, bisexuelle und trans*-Personen erstmals eine lebendige Nachtgastronomie vor, die sich speziell an ein queeres Publikum richtet. Vor allem Berlin gilt damals wie heute als das Mekka für queere Clubkultur mit der Schöneberger Motzstraße als deren Epizentrum. Das Lokal Eldorado, das ein zeitgenössischer Stadtführer einen „für die weltstädtische Schaulust inszenierten Transvestitenbetrieb“ nennt, erlangt große Bekanntheit, weil dort queere Berühmtheiten wie Marlene Dietrich, Christopher Isherwood, Claire Waldoff, aber auch SA-Chef Ernst Röhm verkehren. 
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Der Nachtklub Eldorado und das queere Berliner Nachtleben

Die Kultur-Nische e. V. / Szene dankt ihren Unterstützer:innen und Kooperationspartner:innen:
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der Schöpflin Stiftung, der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt, der Sparkasse Altmark West, der Kreisvolkshochschule Altmarkkreis Salzwedel, dem CSD Wendland, IWWIT Ich weiß was ich tu und Westing Werbetechnik.
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